Nachträge 2005 - Nachträge 2006 - 2007: Escherich-Medaille - Nachtrag 2008
2008: Dank an Dietrich Schneider - Nachtrag 2009 - Nachtrag 2010 - Nachtrag 2011
(b) Rückschau auf
die zehn Plagen
des biblischen Buches Exodus (7,1-12,33) sowie
deren Entstehung aus biologischer Sicht
mit sieben Textabbildungen und zwei Tabellen
Further Reflections on
the ten Plagues
of the biblical Book 0f Exodus (7, 1- 12,33)
Hermann Levinson und Anna Levinson,
Max-Planck-Institut für
Ornithologie,
D-82319 Seewiesen bei Starnberg
E-Mail: levinson@orn.mpg.de


siehe Plage 1: blutrote
Färbung und Vergiftung des Nils
Abstract -The
successive plagues 1 to 1O, as described in the biblical book of Exodus (7,1-12,33) probably
occurred in ancient Egypt during the thirteenth century BC under the reign of
the pharaohs RAMSES II (~ 1279 – 1213 BC) and/or MERENPTACH (~ 1213 – 12O3 BC).
Most of the ten biblical plagues
relied on biological sources and were often induced by natural events. They
occurred in the following succession:
plague
1 -
the Nile attained blood-like appearance („red
Tide“) and was densely infested by predatory dinoflagellates (particularly Pfiesteria piscicida), discharging
perilous neurotoxins –
plague
2 -
whereby numerous frogs (Ranidae) and
toads (Bufonidae) escaped from the
contaminated Nile region and moved into the dwelling houses of the Egyptians –
plague
3 - infestation of humans and animals by ectoparasitic insect species, viz. Pediculidae, Pulicidae and Hippoboscidae,
transmitting certain infectious diseases, including epidemic typhus and bubonic
plague –
plague
4 - numerous fly species (Muscidae and Tabanidae) as well as certain mosquito species (Culicinae and Anophelinae) molesting and infecting the human population by
enteric diseases, various forms of malaria as well as trachoma -
plague
5 - epidemic diseases of cattle
transmitted by blood sucking midges (Ceratopogonidae),
causing mainly „African horse sickness“ and „blue tongue disease“ -
plague
6 - Anthrax and glanders (Furunculosis) of humans and animals –
plague
7 - destructive hail storms -
plague
8 -
devastating locust swarms, primarily Schistocerca
gregaria (Catantopidae, Caelifera) -
plague
9 - continuous darkness for three successive days and nights –
plague
1O -
mortality of first-born humans and cattle –
Plagues 1,2 and 1O resulted from
the detrimental effects of certain microorganismic toxins exerting different
modes of action. Plagues 3,4,5 and 6 comprised infectious diseases being
transmitted by various blood-sucking insect species, viz. head and body lice,
fleas, louse flies, stable flies, horse flies, mosquitoes as well as biting midges, while plague 8 was merely due to voracious
feeding of innumerable desert locusts (Schistocerca
gregaria). Finally, plagues 7 and 9 consisted of severe climatic
calamities.
It follows that the biblical plagues can be explained on
the base of naturally arising calamities which can also reoccur in the present
time.
Einleitung
EXODUS 12,31 : Noch während die zehnte Plage wütete, liess der
Pharao den Mose und den Aaron in der Nacht rufen und befahl ihnen : „ auf,
ziehet fort aus meinem Volke, sowohl ihr beiden als auch alle anderen Hebräer.
Gehet und verehrt eueren Gott JAHWE, wie ihr es gewünscht habt ! “.
Damit war die zentrale Aufgabe der zehn Plagen erfüllt und
das gewünschte Ziel erreicht. Dabei trafen die, von Gott Jahwe den antiken
Ägyptern auferlegten, Plagen auch manche der Gottheiten Altägyptens (siehe
dsbzgl. die Kapitel „Die Götzen Ägyptens“ sowie „Gott gegen Götter“ in : MORONI
und LIPPERT 2OO9).
Vor etwa drei Jahren erschien unser erster Beitrag zur Biologie der zehn biblischen Plagen in den DGaaE-Nachrichten (LEVINSON und LEVINSON 2OO8), worin wir versucht haben, die Entstehung der zehn, den alten Ägyptern im dreizehnten vorchristlichen Jahrhundert von Gott auferlegten, Plagen - aus biologischer Sicht – zu erkunden. In der vorliegenden Abhandlung haben wir unseren früheren Beitrag mit weiteren Aspekten der biologischen Ursachen des Plagenzyklus ergänzt.
Es wurde angenommen, dass die og. Plagen während der Regierungszeit der Pharaonen RAMSES II (~ 1279 – 1213 v.Chr.) bzw. MERENPTACH (~ 1213 – 12O3 v.Chr.) den antiken Ägyptern (ägypt. remetju kemi) von Gott JAHWE auferlegt wurden. Dafür gibt es einen biblischen Hinweis, nämlich EXODUS 7,1 – 12,33 und einige historische Belege (vgl. CORNFELD und BOTTERWECK 1972, KOCH et al.1982 und PETRIE 1912) sowie die Abbildung eines pharaonisch gestempelten Lehmziegels (siehe unten).

Die
Fronarbeit der Hebräer
in Unterägypten bestand
vorwiegend aus der
massenhaften Herstellung ungebrannter Lehmziegel
(ägypt. tafl) für den
Häuserbau. Dazu wurde gewässerter Nilschlamm
mit klein gehacktem
Stroh (d.i.Häcksel und Sand,
zwecks besserem Zusammenhalt) innig vermischt
und in rechteckigen
Holzformen zu Ziegeln
gepresst. Danach wurden
die feuchten Lehmziegel
für mehrere Tage
der Sonnenstrahlung ausgesetzt und erst benutzt, nachdem sie
vollständig getrocknet waren.
Die Ziegeleien wurden
in pharaonischem Auftrag betrieben
und die fertigen
Lehmziegel in der Regel mit
der Kartusche des jeweiligen Pharao geprägt.
Geschichtlicher Hintergrund
Während einer
schweren Hungersnot in Kanaan, dem späteren Palästina (GENESIS 42,2 sowie 43,1), hatten sich zahlreiche Hebräer
(akkadisch : habiru) um 165O v.Chr.
in der biblischen Provinz Goschen
(ägypt. gesem, siehe die nachstehend
abgebildete Landkarte) angesiedelt und dort mit ihren grossen Familien und
Viehherden wahrscheinlich ~ 43O Jahre lang gelebt, bis sie schliesslich Ägypten
verlassen mussten, um nach Kanaan
zurückzukehren.
Das biblische Goschen umfasste damals eine Fläche von
~ 6O x 3 km, lag perpendikulär zur Nilsenke und entsprach geographisch dem
achten unterägyptischen Gau (d.i. „die
östliche Harpune“), dem heutigen Wadi
Tumilat zwischen Bubastis und dem
Timsahsee entsprechend (vgl. PETRIE 1912 sowie SARNA 1987).

Landkarte
des unterägyptischen Nildeltas
Das ausserodentlich fruchtbare
Nildelta Ägyptens ist
im Süden von der
Arabischen und der Libyschen Wüste
sowie im Norden
von dem Mittelmeer
begrenzt. Die biblische
Provinz Goschen (ägypt. gesem),
wo die Hebräer von
etwa 165O bis
122O v.Chr. siedelten, lag
in der Umgebung des heutigen Wadi tumilat zwischen
den Orten Bilbes
und Bubastis im
Westen und dem
Timsahsee im Osten. Von
den beiden Städten, die die
Hebräer erbauten, lagen Piramesse (das
heutige Kantir) am
pelusischen Nilarm und Pithom
(das heutige Tel el-mas-chuta)
westlich des Timsahsee’s. - Die alten Ortsnamen sind mit roter Schrift gekennzeichnet.
Die Hebräerprovinz Goschen hatte besonders
günstiges Weideland, vorwiegend mediterranes Klima mit mehreren Regenfällen
im Winter und war gegen das
heiss-trockene Wetter Oberägyptens abgeschirmt (GENESIS 47,6 sowie 11). Unter diesen Umständen ist es verständlich,
dass die
Bewohner Goschen’s von den nachteiligen Wirkungen der biblischen
Plagen weitgehend verschont blieben (siehe auch die nachstehende Tabelle der
zehn biblischen Plagen sowie SARNA 1987).
Die, von den
Ägyptern verfügte Fronarbeit der Hebräer (EXODUS 1,11,12) soll sich vorwiegend auf die Errichtung der
pharaonischen Residenzstadt Piramesse (ägypt. per
ramessu, griech. awaris) am pelusischen Nilarm sowie der grossen
Vorratsstadt Pithom (ägypt. per
temu, arab. tel
el-mas-chuta) südwestlich der gegenwärtigen Stadt Ismailia bezogen haben, bevor es zum Auszug
der Hebräer aus dem Nilland kam (EXODUS 12,33-39, CORNFELD und BOTTERWECK
1972 sowie PETRIE 1912).
Die zehn biblischen Plagen, biologisch
erklärt
In der
nachstehenden Tabelle sind die
zehn numerisch aufeinander
folgenden Plagen der Bibel (Exodus 7,1 – 12,33) nebst ihrer aramäisch-hebräischen (in runden Klammern) und
ägyptisch-hieroglyphischen (in eckigen Klammern) Bezeichnungen angeführt. Die,
mit einem * bezeichneten sechs Plagen fanden in der
Hebräerprovinz Goschen nicht statt.
Tabelle der numerisch
aufeinander folgenden Plagen
der Bibel und
ihre biologische Bedeutung
1 blutähnliche Verfärbung des Nils (dam) [senef]
2 Landbefall mit Fröschen und Kröten (tsephardea) [kerer, pegget]
3 ektoparasitäres Ungeziefer (kinnim, kinnam) [ketet ]
4 * Befall mit Fliegen und Mücken (arob) [aff, afef]
5 * Viehseuchen (deber) [jadet]
6 * Geschwürkrankheiten bei Mensch
und Tier (schechin) [benut]
7 * Hagelschlag
(barad) [schenjet]
8 Heuschreckenschwärme (arbeh) [senchem]
9 * Finsternis (choschech, aphela) [keku]
1O * Tod der Erstgeburt
(makat bechorot) [sema sa tepij]
Die Berater des
Pharao forderten Ihren Regenten mit folgenden Worten auf : „ wie lange soll uns dieser Mann (Mose) noch
Unglück bringen ? Lass die Leute doch ziehen, damit sie ihren Gott JAHWE
verehren können. Merkst Du denn noch immer nicht, dass Ägypten zugrunde geht ?
“ (EXODUS 1O,7).
Die unheilvollen
Plagen 1 bis 9 könnte
man als eine Reihe
warnender Bestrafungen vor dem
Vollzug der schwersten aller Plagen (nämlich der 1O. Plage)
auffassen, die Gott JAHWE den
Bewohnern und Regenten des alten
Nillandes kemet auferlegte, auf dass sie
die Hebräer von
Ägypten wegziehen lassen.
Jedoch sollte man auch bedenken, dass
der - im alten Orient vorherrschende - Schicksalsglaube (d.i. Fatalismus)
die angedrohten göttlichen Heimsuchungen den alten Ägyptern milder erscheinen
liess als sie in Wirklichkeit waren. Vielleicht
nahmen deshalb der
Pharao und seine
Berater die inhärenten
Gefahren dieser Plagen
weniger ernst als es nötig war.
Die Plagen 1 bis 9 könnte man auch aufgrund von ungewöhnlichen Naturvorkommnissen, die sich gelegentlich
im Niltal ereigneten, erklären (PETRIE
1912 sowie HORT 1957, 1958). Überdies scheint die Reihenfolge der genannten Plagen zumindest teilweise mit
der Strömung und
mikrobiologischen Beschaffenheit des Nils bzw. Niltals zusammenzuhängen.
Der, durch Ober- und Unterägypten
fliessende und in das
Mittelmeer mündende Nil (ägypt. hapi)
war im Verlauf
eines Jahres erheblichen
ökologischen Schwankungen unterworfen. Zwischen März und Juni war der Abfluss des Nils besonders gering
und betrug nur ~ 8OO - 9OO Kubikmeter
pro Sekunde, stieg im Juli auf ~ 19OO Kubikmeter
pro Sekunde und hatte von
August bis September mit ~ 7OOO - 95OO Kubikmetern
pro Sekunde den stärksten Durchfluß, der schliesslich auch zu Überschwemmungen
führte. Von Oktober bis
November sank der Nil wieder auf
eine Strömung von ~ 65OO - 3OOO Kubikmetern pro
Sekunde, jedoch zwischen Dezember und Februar betrug der Abfluss nur
noch ~ 2OOO - 12OO Kubikmeter pro
Sekunde. Diese bedeutsamen
Messungen wurden bereits zwischen 19O2 und 19O8 von A.SUPAN in Wadi Halfa
an der ägyptisch-sudanesichen
Grenze vorgenommen (SUPAN 1934).
Zur Ätiologie der biblischen Plagen
Die Hälfte der
zehn biblischen Plagen, nämlich die Plagen 3,4,5,6 und 8, wurde von
mehreren Arten der Kerbtiere (Insecta) sowie von einer Art der Milben (Arachnida) und zwar von der Krätzmilbe Sarcoptes scabiei hervorgerufen.
Die, von einigen Insektenarten übertragenen Krankheiten der Plagen 3,4,5 und 6
wurden letztendlich von wirtsspezifisch infektiösen Bakterien, Einzellern bzw.
Viren verursacht.
Plage 3 (ektoparasitäres
Ungeziefer) wurde höchstwahrscheinlich von Flöhen (Siphonaptera), Kopf-und
Kleiderläusen (Anoplura), Lausfliegen (Hippoboscidae) sowie
Krätzmilben (Sarcoptidae) übertragen.
Die schematische und teils
vergrösserte Abbildung (nachstehend) zeigt eine männliche Kopflaus Pediculus humanus capitis (a), eine
weibliche Kopflaus Pediculus humanus
capitis (b), ein Eigelege der letzteren (c), ein einzelnes Ei einer
Kleiderlaus (d), eine weibliche Kleiderlaus Pediculus
humanus corporis (e), eine
weibliche Krätzmilbe Sarcoptes scabiei (f)
sowie einen weiblichen Rattenfloh Xenopsylla
cheopis (g).
Plage 4 (Fliegen-und
Mückenschwärme) wurde von Bremsen (Tabanidae), Wadenstechern und Stubenfliegen (Muscidae), Fleischfliegen
(Sarcophagidae), Schmeissfliegen
(Calliphoridae) sowie von
Stechmücken (Culicidae) bewirkt.
Plage 5 (Viehseuchen)
wurde ausschliesslich von haematophagen Stechgnitzen (Ceratopogonidae) übertragen.
Plage 6
(Geschwürkrankheiten bei Mensch und Tier) wurde vorwiegend von haematophagen
Bremsen (Tabanidae) und
Wadenstechern (Muscidae) übertragen.
Plage 8 (Heuschreckenschwärme) bestand vorwiegend aus
Wüstenheuschrecken der Art Schistocerca
gregaria
(Catantopidae, Caelifera) - siehe die nachstehende
Abbildung.

Plage 1 (blutrote Färbung
und Vergiftung des Nils)


Das untere Bild zeigt die
fisch-verwundende und fisch-fressende Geisselalgenart Pfiesteria piscicida als aggressive und neurotoxische Flagellaten
(links) sowie als ungiftige, harmlose
Cyste (rechts). Die Geisselalgen, deren Grösse von ~ 5 bis ~ 45O µm
variiert, verbringen die meiste Zeit als harmlose Cysten, die sich erst infolge
der Gegenwart bestimmter Ausscheidungsprodukte der Fische in aggressive und
neurotoxische Flagellaten verwandeln (BURKHOLDER & GLASGOW 2OO2 sowie LEVINSON & LEVINSON 2OO8).
Plage 1 (blutrote Färbung
und Vergiftung des Nils),
Plage 2 (Frösche und Kröten) sowie
Plage 1O (Tod der
Erstgeburt)
wurden letztendlich von
mikroorganismischen Toxinen ausgelöst.
Plage 7 (Hagelschlag)
sowie
Plage 9 (Finsternis)
wurden als verheerende
Klimakatastrophen erkannt.
Stechmücken und Malaria als biblische Plage
im alten Ägypten
Zweifellos könnte
die vierte Plage (Befall mit Fliegen und Mücken) auch massenhaftes Auftreten
der malaria-übertragenden weiblichen Stechmücken (Anophelinae) beinhalten, die
ohnehin in der Nilsenke reichlich vorkamen (vgl. HERODOT,5.Jh. v.Chr.,
GALIOUNGUI 1973).
In der
ursprünglichen Fassung des fünften Buches Mose (Deuteronomium 28,22) wird die Malaria mit dem biblischen Wort kadachat (d.i. hitziges
Fieber) gekennzeichnet und geschichtlich erstmals als lebensbedrohliche
Krankheit erwähnt: „Der Herr wird dich schlagen mit dem hitzigen Fieber und dich verfolgen
bis du daran umkommst“. Sicher hatten
sich die Hebräer auch an die Sumpfgebiete Obergaliläas und der Jordansenke mit
ihren zahlreichen Stechmücken (Anophelinae) und Malariakranken erinnert.
Die Malaria (italienisch:
schlechte Luft), auch Sumpffieber genannt, ist für den Menschen eine
lebensgefährliche Infektionskrankheit, die von den parasitären Einzellern der
Gattung Plasmodium (Haematozoa,
Sporozoa) hervorgerufen wird und die, durch den Stich weiblicher Stechmücken
der Gattung Anopheles (Culicidae, Nematocera) von einem erkrankten auf einen gesunden Menschen
übertragbar ist.
Nachdem eine
weibliche Anophelesmücke auf der Haut
eines Menschen gelandet ist, bohrt sie ihre gebündelten Stechborsten (Proboscis) durch die Haut des
menschlichen Körpers, um warmes Blut aus einer Kapillare zu saugen und ihren
Speichel sowie die Malaria-erregenden Sporozoiten
in die Blutbahn des gestochenen Menschen zu befördern. Die bedeutsamsten
Symptome der Malariakrankheit sind hohes und periodisch auftretendes Fieber,
Schüttelfrost sowie Beschwerden der Milz und der Verdauungsorgane.
Aufgrund des
unterschiedlichen Krankheitsbildes, kann man die hauptsächlichen Formen der
Malaria erkennen : Malaria tropica,
die von Plasmodium falciparum, Malaria tertiana, die von Plasmodium vivax bzw. Plasmodium ovale, sowie Malaria quartana, die von Plasmodium malariae hervorgerufen
werden.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2OO8) erkranken weltweit etwa 243
Millionen Menschen an Malaria im Jahr, woran noch heutzutage etwa eine Million Menschen pro Jahr
sterben.
Die Malaria ist wahrscheinlich
eine der ältesten Tropenkrankheiten, da sie imstande ist, Menschenaffen (Hominidae) ebenso wie Menschen (Homo sapiens) gleichermassen zu infizieren. Im alten Ägypten
war die Malaria ebenso wie die Stechmückenarten der Gattung Anopheles bereits während prädynastischer
Zeit (~ 55OO – 31OO v. Chr.) zahlreich verbreitet (GHALIOUNGUI 1973, NUNN
1996). Aufgrund von nachgewiesenem Antigen für Plasmodium falciparum in zahlreichen Mumien der prädynastischen und
dynastischen Zeit, nehmen wir an, dass die Bevölkerung Altägyptens
grösstenteils an Malaria erkrankt war (vgl. DAVID & ARCHBOLD 2OO1, MILLER
et al. 1994 sowie NUNN 1996).

Eine
weibliche Stechmücke der Art Anopheles
gambiae GILES 19O2 (natürliche Grösse 6-7
mm), die
taxonomisch zu den Anophelinae, Culicidae, Nematocera, bzw. Diptera gehört.
Man beachte die langen Beine, den
Stechrüssel (proboscis), die beiden Maxillartaster sowie die dünnen Antennen
der weiblichen Stechmücke.
Die, in allen Gebieten Afrikas
verbreitete Anopheles gambiae ist der
hauptsächliche Vektor der Malariakrankheit in diesem Erdteil.
Die Aufnahme des stechbereiten
Mückenweibchens verdanken wir WIKIPEDIA, der freien Enzyklopädie, die uns die
og. Photographie freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Bei der zehnten biblischen Plage (Tod der
Erstgeburt) geht es höchstwahrscheinlich um die lebensgefährlichen
Mykotoxine verschiedener
Schimmelpilzarten, die an feuchtgewordenem Lagergetreide (d.i. das von
Hagelschlag lädierte und nass gewordene Korn) wachsen konnten. Die genannten
Mykotoxine (siehe nachstehende Tabelle) waren vermutlich die Krankheits- bzw.
Todesursache der Menschen, die mit dem verpilzten Getreide hantierten, bzw.
dieses verarbeiteten oder konsumierten (vgl. SCHÖNTAL 198O, MARR & MALLOY
1996, LEVINSON & LEVINSON 2OO8).

Schlussfolgerung
Sämtliche, in der Bibel beschriebenen Plagen können auf biologisch erklärbare Vorgänge zurückgeführt werden.
Der, an zusätzlichen Einzelheiten interessierte, Leser sei
auf unsere frühere Abhandlung in den DGaaE-Nachrichten 22, 83-1O2, (2OO8) verwiesen.
Apologetik
Gewiss
lag es uns fern, die biblischen zehn Plagen, die Gott JAHWE den antiken
Ägyptern auferlegt hatte, zu mindern oder zu widerlegen. Wir wollten nur
untersuchen, ob die göttlichen Heimsuchungen der alten Ägypter im dreizehnten vorchristlichen
Jahrhundert möglicherweise auch aufgrund von biologischen Ursachen erklärbar
wären, beziehungsweise, ob sich derart katastrophale Plagen der Menschheit
vielleicht auch in der gegenwärtigen Zeit ereignet hätten können.
Neuere Berichte über die zehn biblischen
Plagen
Unlängst
erschien das ausführliche und hochinteressante Werk „ Die Biblischen Plagen – Zorn Gottes oder Rache der Natur ? “, das
von den ZDF-Journalistinnen Claudia MORONI und Helga LIPPERT (2OO9) verfasst
wurde.
Bei der
Beschreibung der ersten Plage (Seite 1O4 des Buches) erwähnten MORONI und
LIPPERT, dass „ ... für das grosse Fischsterben und die
Ungeniessbarkeit des Nilwassers zeichneten vielmehr mikroskopisch kleine
Lebewesen verantwortlich. Die Missetäter heissen Burgunder
Blutalgen (wahrscheinlich Planktothrix rubescens ). Die
Bezeichnung Alge verwirrt, denn eigentlich handelt es sich dabei um giftige
Bakterien... auch wird der hochtoxische Stoff Microcystin freigesetzt. Das Gift vernichtet nicht nur Fische und
Wassertiere, sondern gefährdet auch den Menschen...“.
Wir meinen, dass
die Verminderung der Fischpopulation des Nils eher auf der beträchtlichen
Populationszunahme der räuberischen Algenarten Pfiesteria piscicida bzw. Pfiesteria
shumawayae (Pfiesteriaceae, Dinoflagellata) in ihrem
neurotoxin-abgebendem Stadium beruht (vgl. BURKHOLDER et al. 2OO2,2OO5).
Das og. Buch
beschreibt auch die Hypothese von Dr.Siro Igino TREVISANATO (2OO5), wonach die
verheerende Eruption des feuer-und asche-auswerfenden Vulkans der Insel Thera, die in dem Santorin-Archipel (der ~ 12O km nördlich von Kreta bzw. ~ 77 km
nordwestlich von der Kykladeninsel Milos gelegen
ist) die alleinige Ursache der zehn
biblischen Plagen im alten Ägypten gewesen sein soll. Leider weist
TREVISANATO’s Hypothese keine zeitliche Übereinstimmung auf zwischen den vier
Vulkaneruptionen (von August 16O3 bis März 16O1 v.Chr.) und den zehn biblischen
Plagen, die während der Regierungszeit der Pharaonen RAMSES II bzw. MERENPTACH,
~ 1279 – 12O3 v.Chr. stattfanden (d.h. mindestens ~ 32O Jahre nach den
Vulkaneruptionen, vgl. EXODUS 7,1-12,33 sowie PETRIE 1912 und SARNA 1987).
Die Auslegung der
zehn biblischen Plagen von TREVISANATO (2OO5) fand bisher noch keine Akzeptanz
bei Ägyptologen und Achäologen (vgl. MORONI und LIPPERT 2OO9).
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Land of Israel and the Near
East in
Antiquity, with some Reflections
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The
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Press LLC, 2OO5.
Danksagung
Besonderer Dank
gebührt Herrn Alexander Krikellis, M.A., Leiter der Bibliothek des
Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen und Erling, für seine
unschätzbare Hilfe bei der Gestaltung des Nachtrags 2O11 zu dieser homepage.
Ebenso herzlich danken wir unseren Kollegen am Institut für
Ägyptologie und Koptologie der LMU sowie am Staatlichen Museum Ägyptischer
Kunst in München für ihre freundliche Beratung, Unterstützung und Beschaffung
schwer zugänglicher Literatur für unsere kulturzoologischen Forschungsarbeiten.
Seewiesen und Erling im
April 2O11
Kontakt: levinson@orn.mpg.de | Impressum
